Aphrodisias, Türkei




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Die Überraschung der Reise war der antike Ort Aphrodisias. Nur 100 km  von Pamukkale entfernt, liegt Aphrodisias so unscheinbar neben der Landstraße nach Tavas, dass man glatt daran vorbei fahren würde. Rechts sieht man nur eine lang gezogene, nicht besonders hohe Natursteinmauer. In Wirklichkeit gehört sie zu einem tiefer gelegenen Stadion von unvorstellbaren Ausmaßen. 

Dieses Stadion, das sich im Norden der Stadt befindet, ist eines der wichtigsten antiken Bauwerke der damaligen Welt. Das elypsenförmige und an beiden Enden mit einem Halbkreis ausgestattete Bauwerk hatte Sitzreihen für 30.000 Zuschauer.

Das Stadion wurde hauptsächlich für Sport-Wettkämpfe genutzt. Alle Athleten mussten völlig nackt antreten. So konnte man sicher sein, dass keine Sklaven und keine Straftäter teilnahmen, da diese damals mit Brandmalen besonders gekennzeichnet waren. In Deutschland kannte man diese Kennzeichnung im Mittelalter auch. Dort wurden u. a. betrügerischen Handwerkern die Ohrläppchen aufgeschlitzt, so dass jeder sie als Schlitzohren erkennen konnte. In Aphrodisias war Frauen wegen der nackten Athleten der Zutritt zum Stadion verwehrt. 



Aphrodisias war erstmalig zur neolithischen Zeit besiedelt, 8000 Jahre vor unserer heutigen Zeit. Aphrodite, die Göttin der Liebe, kam zur Zeit des assyrischen Königs Ninos, der sich hier niedergelassen hatte, in diese Stadt. Jedenfalls leiten die Historiker dies von einer Freske ab, die in der großen Basilika gefunden wurde. Dort sind Darstellungen der sagenumwobenen Frau des Königs Ninos zu sehen. 

Die ersten Dokumente über Aphrodisias stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., aber konkrete Aufzeichnung beginnen 82 v. Chr., nachdem  der römische General Sulla dem Aphrodite-Tempel eine Krone aus Gold als Geschenk schickte. Und unter Kaiser Augustus wurde Aphrodisias eine reiche und berühmte Stadt. 


Aphrodite-Tempel
Das wichtigste Bauwerk in der Stadt Aphrodisias ist der Aphrodite-Tempel. Der Bau wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. von Zoilos begonnen und im Jahre 130 n. Chr. beendet. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde der Tempel mit der Verchristlichung der Stadt zu einer großen Kirche umgebaut. 

Tetrapylon
Dieses monumentale Tor wird auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert. Jeweils 4 Säulen auf jeder Seite gaben ihm seinen Namen.  Es ist reich an architektonisch verschiedenen Stilen. Einige der glatten gekerbten und spiralförmig gezogenen Säulen bestehen aus Doppelsäulen. Manche Säulen sind aus blauem Marmor. Auf dem westlichen Architrav sind Jagdszenen dargestellt. Die östliche Stirn besteht aus halbkreisförmigen Böden. Gleich östlich vom Tetrapylon befindet sich ein bescheidenes Grab aus Marmor. Dort liegt der Mann begraben, der die Hälfte seines Lebens der Stadt gewidmet hatte und durch dessen Bemühungen Aphrodisias ausgegraben und dadurch berühmt wurde, Prof. Dr. Kenan Erim.

Odeon

Tiberius-Portiko
Der Name dieses Platzes, der mit Säulen und Portikos umgeben ist, stammt von einer Inschrift, die besagt, dass das Gebäude dem Kaiser Tiberius gewidmet war. In der Mitte des Portikos befindet sich ein Pool, 260 m (!) lang, 25 m breit und 1,20 m tief. Dieser Pool wurde nach einem Erdbeben gebaut, um Überschwemmungen unter Kontrolle zu halten. Er diente auch als Wasser-Reservoir für die Hadrians Bäder.

Theater
 Als Prof. Erim 1960 beschloss, das Theater auszugraben, musste er als erstes die Bewohner der darüber aufgebauten Häuser umsiedeln. Die untere Reihe der zweiteiligen Sitzreihen und das Erdgeschoss des Bühnengebäudes wurden unversehrt freigelegt. Die obere der zweiteiligen Sitzreihen ist zur byzantinischen Zeit gebaut worden. Das Bühnengebäude ist im dorischen, jonischen und korinthischen Stil gebaut.


Aphrodisias Museum
1979 wurde ein Museum eingerichtet, in dem eine Vielzahl von Statuen, Portrait-Denkmälern und Portrait-Büsten ausgestellt sind. In Aphrodisias bestand schon in der Antike eine Bildhauerschule. Das erklärt auch die außerordentliche Vielfalt von Kunstwerken. Selbst rund um das Museum liegen wertvollste Marmorplastiken frei im Rasen herum. Unten der Kopf der Aphrodite.

Teile von Statuen aus dem Hadrians-Bad

Aphrodite



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Fotos: © 2006 Merlins